Diskussion Eure Meinung zur Corona-Warn-App

Werdet ihr die Corona-Warn-App nutzen?

  • Ja, auf jeden Fall!

    Stimmen: 8 66,7%
  • Bin mir noch nicht ganz sicher. Vielleicht.

    Stimmen: 3 25,0%
  • Nein, auf gar keinen Fall!

    Stimmen: 1 8,3%
  • Ich habe kein unterstütztes Smartphone und kann sie daher nicht nutzen.

    Stimmen: 0 0,0%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    12

JR Cologne

Administrator
Teammitglied
Hallo zusammen,

ich wollte mal die Gelegenheit nutzen, mit euch über die Corona-Warn-App zu diskutieren und eine Umfrage zu starten, ob ihr diese denn plant zu nutzen.

Also, was denkt ihr über die App?
Haltet ihr sie für datenschutzrechtlich sowie sicherheitstechnisch unbedenklich? Wenn nein, welche Risiken seht ihr konkret?
Glaubt ihr, dass die App das halten kann, was sie verspricht oder wird die App ein totaler Reinfall, weil sie eurer Einschätzung nach nicht ordnungsgemäß funktionieren wird?
Welche Vor- und Nachteile sehr ihr sonst noch?

Ich persönlich habe die Corona-Warn-App bereits in der heutigen Nacht als einer der Ersten installiert und die Kontakt-Ermittlung entsprechend in Betrieb genommen.
Die Einrichtung war extrem einfach, wurde gut und ausführlich erklärt und das Design ist eigentlich auch ganz gelungen. Ich konnte insofern bisher keinerlei Mängel an der App, was die Bedienung usw. betrifft, feststellen.

Jetzt wird sich natürlich in den nächsten Wochen zeigen, wie der Einsatz der App in der Praxis funktioniert, vorausgesetzt man kommt überhaupt in die Situation, dass man mal in die App schaut und tatsächlich ein Infektionsrisiko angezeigt wird.
Im Idealfall merkt man ja eigentlich gar nichts von der App. :D

Nun noch zur Entwicklung und dem Konzept:
Ich finde, die Corona-Warn-App könnte fast schon zu einem der großen digitalen Vorzeigeprojekte Deutschlands werden, wenn es um Open Source und Datenschutz geht.
Zu Beginn sah es ja danach aus, dass die Bundesregierung ihr eigenes Süppchen kochen möchte und zudem wurden anfangs noch deutlich schlechtere Konzepte wie die Kontaktermittlung per GPS oder Mobilfunk diskutiert.
Im Gegensatz dazu stehen wir jetzt mit der App echt ganz gut da:
Alles ist Open Source, die App ist voll und ganz freiwillig nutzbar, es wird auf den etablierten dezentralen Standard mit Bluetooth LE zur Kontaktverfolgung von Apple und Google gesetzt und die Umsetzung ging, nach dem tatsächlichen Auftrag, relativ schnell voran und die App wurde pünktlich fertiggestellt.
Zudem scheint es bisher kaum bis gar keine Meldungen zu (schwerwiegenden) Datenschutz- oder Sicherheitsproblemen zu geben.
Im Grunde sieht es also so aus, als hätte alles reibungslos funktioniert, sodass die Basis für ein großes Vertrauen in die App durchaus vorhanden sein könnte, weil niemand sich ernsthaft über staatliche Überwachung Gedanken machen muss.

Im Vergleich zu dem, was Smartphone-Nutzer sonst mit Apps anstellen, ist die App nahezu harmlos und kommt im Prinzip ohne die Erfassung personenbezogener Daten aus.

Ich sehe dementsprechend wenig, was einer breiten Nutzung noch im Weg stehen könnte, abgesehen von der unberechtigten Panik vor Überwachung der Anwender und Bundesbürger.

Bin gespannt, was ihr so denkt. :)
 

Mat

Mitglied
Ich war überrascht, wie gut und schnell das auf die Beine gestellt wurde (auch wenn etwas spät angefangen wurde .. die Entwickler und Forscher haben das ja innerhalb von nicht ganz 2 Monaten zusammenbauen müssen und die Android- und IPhone- APIs waren ja auch erst im Mai bereit).

Wäre schön, wenn wir da zumindest EU-weit noch Interoperabilität der unterschiedlichen Apps hinkriegen. Aber das würde datenschutztechnisch nur bei Apps gehen, die ähnliche Kontaktverfolgungstechniken anwenden (z. B. die Italienische App). Außerdem muss es noch mehr internationale Kooperation der Gesundheitsbehörden geben.

Vielleicht kann das in ein paar Jahren um zukünftige Krankheiten ergänzt werden.. auch mehrere parallel, und dann ggf. mit unterschiedlichen Entfernungs- und Expositionskriterien (wer weiß, was uns in Zukunft noch so Tolles bevorsteht :rolleyes:). Spätestens dann wäre eine EU-App nicht schlecht.

Aber mal ganz abgesehen von den Pandemien sehe ich das als sehr positive Entwicklung. Ein sinnvoller Schritt in Richtung OpenSource, Transparenz und Bevölkerungsbeteiligung. Sehe das so wie du, dass es als gutes Vorzeigeprojekt fungieren kann. Ich hoffe, es kommt mehr davon auf Bundesebene und EUweit (regional klappt es zum Teil schon mit OpenSource-Projekten).
 

JR Cologne

Administrator
Teammitglied
Ich war überrascht, wie gut und schnell das auf die Beine gestellt wurde (auch wenn etwas spät angefangen wurde .. die Entwickler und Forscher haben das ja innerhalb von nicht ganz 2 Monaten zusammenbauen müssen und die Android- und IPhone- APIs waren ja auch erst im Mai bereit).
Absolut, fand es in diesem Sinne auch etwas schade, dass teilweise in der Presse und von manchen Politikern ständig passiv-provokativ gefragt wurde, wann denn nun endlich die App kommen würde.
Dabei lief ja eigentlich alles ziemlich reibungslos und nach Zeitplan.
Klar, schneller wäre immer schön. Aber es war ja auch ein großes und sehr wichtiges Projekt, was man eben nicht innerhalb von zwei Tagen aus dem Boden stampfen kann.

Wäre schön, wenn wir da zumindest EU-weit noch Interoperabilität der unterschiedlichen Apps hinkriegen. Aber das würde datenschutztechnisch nur bei Apps gehen, die ähnliche Kontaktverfolgungstechniken anwenden (z. B. die Italienische App). Außerdem muss es noch mehr internationale Kooperation der Gesundheitsbehörden geben.
Vollkommen richtig. Das Hauptproblem ist wohl, dass Kontakte mit Personen aus anderen Ländern zwar bei der Nutzung des gemeinsamen Standards richtig erfasst werden, jedoch dann im Meldewesen natürlich Probleme entstehen, weil beispielsweise italienische infizierte App-Nutzer natürlich auch nur dort im Gesundheitswesen als infiziert erfasst und dann an die nationalen Server gemeldet werden.
Im Grunde müsste es also eigentlich ausreichen, schlicht die Identifikationsnummern untereinander auszutauschen oder alternativ einen zentralen EU- oder besser sogar WHO-Server aufzubauen, der sozusagen eine Datenbank mit den IDs von Infizierten aus allen EU bzw. WHO-Mitgliedsländern bereitstellt.
So verstehe ich das jedenfalls.

Wenn wir schon dabei sind: Im Idealfall hätte man sich gleich zu Beginn in der WHO geeinigt, ein weltweites Contact-Tracing-System mit einer entsprechenden offiziellen, überall gültigen WHO-App aufzubauen.
Dadurch, dass allein Deutschland aber mehrere Wochen gebraucht hat, um sich auf einen bestimmten Standard zu einigen, und Länder wie Frankreich ihr eigenes Süppchen kochen, sieht man direkt, dass das wohl nicht funktioniert hätte.

Aber mal ganz abgesehen von den Pandemien sehe ich das als sehr positive Entwicklung. Ein sinnvoller Schritt in Richtung OpenSource, Transparenz und Bevölkerungsbeteiligung. Sehe das so wie du, dass es als gutes Vorzeigeprojekt fungieren kann. Ich hoffe, es kommt mehr davon auf Bundesebene und EUweit (regional klappt es zum Teil schon mit OpenSource-Projekten).
Ja, es wäre wirklich zu hoffen, dass sich Open Source, insbesondere auf der Bundesebene, mehr durchsetzt. Wenn selbst schon Microsoft verstanden hat, wie wichtig und vorteilhaft Open Source ist, muss der Staat da langsam mal nachziehen. :D
 

dominik

Mitglied
Pro:
  • Klare Datenschutzgestaltung
  • Kurze und knackige Umsetzung
  • Open Source und transparent
  • Insgesamt gelungene Umsetzung

Contra:
  • Release etwas spät
  • 20.000.000€ Entwicklungskosten ohne Infrastruktur. Egal wie ich es drehe und wende, ich komme nicht einmal ansatzweise in solche Preisregionen und habe den Eindruck, dass da an einer oder mehreren Stellen jemand richtig Asche gemacht hat.
 

JR Cologne

Administrator
Teammitglied
20.000.000€ Entwicklungskosten ohne Infrastruktur. Egal wie ich es drehe und wende, ich komme nicht einmal ansatzweise in solche Preisregionen und habe den Eindruck, dass da an einer oder mehreren Stellen jemand richtig Asche gemacht hat.
Kann ich schlecht einschätzen. Mag sein, dass 20 Millionen ein bisschen zu hoch angesetzt sind.
Wie würdest du denn da kalkulieren?

Immerhin war das anscheinend aber von Anfang an das Budget, was angesetzt wurde. Es wurde also nicht im Nachhinein unerwartet deutlich teurer, wie man das sonst beispielsweise von Bauprojekten in Deutschland kennt. :D
 

Mat

Mitglied
20.000.000€ Entwicklungskosten ohne Infrastruktur. Egal wie ich es drehe und wende, ich komme nicht einmal ansatzweise in solche Preisregionen und habe den Eindruck, dass da an einer oder mehreren Stellen jemand richtig Asche gemacht hat.
Das ist aber mit Infrastruktur.

Dachte mir aber erst, das sei sicher auf 2-3 Jahre laufende Weiterentwicklung gerechnet. Wäre trotzdem relativ viel.

Aber nein.. es ist mehr:

Die 11,5 mio Netto für SAP kann ich so halb nachvollziehen.. das sind SAP-Preise. Aber Telekom nimmt auch nochmal 50 mio für Inbetriebnahme und Server etc. Wenn darunter der Anschluss sämtlicher Gesundheitsämter fällt, könnte man damit einen Teil der Kosten erklären.

Also wenn man sinnlose Bauprojekte damit vergleicht, sind die 68 mio sinnvoll investiert. Ist allerdings für mich schwer vorstellbar, wie sich die Kosten genau zusammensetzen.

Ich würde die gerne aufgeschlüsselt sehen und mit den Kosten ähnlicher Projekte vergleichen. Wäre auch interessant, wie viele Server und welche Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden. IT-Sicherheitsleute haben hohe Stundensätze..aber so hoch auch wieder nicht. :D

Edit: Die 20mio waren wohl auf den Release bezogen.. und das kommt hin. Trotzdem viel. Der Artikel bezieht sich auf die Gesamtkosten.
 

LimDul79

Neues Mitglied
Mir kommt es auch für ein IT Projekt hoch vor. Ich gehe davon aus, dass da ein Aufschlag für "Ihr habt keine Wahl" drin war.

Zum anderen muss man ja sagen, wer größere IT-Projekte kennt, dass war in der Kürze der Zeit ein extrem reibungsloses Projekt. Das heißt für mich, dass da seitens SAP/Telekom wirklich fähige Leute dran gesessen habe und das alle relevanten Entscheidungsträger auch entsprechend erreichbar waren und befugt waren Dinge zu entscheiden. Das heißt, der Tagessatz bei den Entwicklungskosten dürfte (zu Recht) deutlich über den üblichen Tagessätzen bei Projekten ähnlicher Größenordnung gelegen habe.

Mal ganz ehrlich, wer hätte geglaubt als es heißt "SAP und Telekom werden in kurzer Zeit eine funktioniernde Corona App bauen", dass das tatsächlich so gut funktioniert.
 
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JR Cologne

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Also wenn man sinnlose Bauprojekte damit vergleicht, sind die 68 mio sinnvoll investiert. Ist allerdings für mich schwer vorstellbar, wie sich die Kosten genau zusammensetzen.

Ich würde die gerne aufgeschlüsselt sehen und mit den Kosten ähnlicher Projekte vergleichen. Wäre auch interessant, wie viele Server und welche Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden. IT-Sicherheitsleute haben hohe Stundensätze..aber so hoch auch wieder nicht. :D
Ja, das wäre auf jeden Fall interessant.
Auf fragdenstaat.de scheint es hierfür jedenfalls schon einige Anfragen zu geben: https://fragdenstaat.de/anfragen/?q=corona-warn-app
Vielleicht kommt da ja was bei rum. :)

Mal ganz ehrlich, wer hätte geglaubt als es heißt "SAP und Telekom werden in kurzer Zeit eine funktioniernde Corona App bauen", dass das tatsächlich so gut funktioniert.
So true. :LOL:
 
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dominik

Mitglied
Kann ich schlecht einschätzen. Mag sein, dass 20 Millionen ein bisschen zu hoch angesetzt sind.
Wie würdest du denn da kalkulieren?
Schwierig. Mal nur auf die Entwicklungskosten bezogen: Wenn ich davon ausgehe, dass alle Entwickler echte Arbeitstiere sind und für die Corona-App 50-Stunden-Wochen geschoben haben (absurd hoch angesetzter Wert), jeder dieser Entwickler 8 Wochen lang gearbeitet hat (sehr hoch angesetzter Wert), jeder dieser Entwickler 150€/Stunde kostet (hoch angesetzter Wert) und laut GitHub etwa 150 Entwickler daran beteiligt waren, kostet die Entwicklung mit diesen überzogenen Zahlen 9,6 Mio Euro. Der realistische Wert dürfte ein gutes Stück darunter liegen. Auch wenn diese Zahlen sehr grob überschlagen sind und da auch noch Projektmanagement und Zeug dazukommt, würde ich aus dem Bauch sagen, dass das Produkt eher ein Drittel kosten dürfte.

Auch die Kosten für Betrieb und Wartung dieses verteilten (!) Systems sind unerklärlich hoch. Ich gebe zu: Wer so eine Software so reibungslos liefern kann, kann sehr gerne eine faire Bezahlung dafür haben. Aber eben eine faire.
 

lano

Mitglied
Haltet ihr sie für datenschutzrechtlich sowie sicherheitstechnisch unbedenklich? Wenn nein, welche Risiken seht ihr konkret?
Die App seh ich weniger als Problem. Im Moment macht mir die API mehr sorgen.

Ich persönlich habe die Corona-Warn-App bereits in der heutigen Nacht als einer der Ersten installiert und die Kontakt-Ermittlung entsprechend in Betrieb genommen.
Ich auch.

Im Idealfall merkt man ja eigentlich gar nichts von der App. :D
Hoffentlich. Ist aber ja kein Allheilmittel und kommt sehr drauf an wie viele das benutzen.

Ich finde, die Corona-Warn-App könnte fast schon zu einem der großen digitalen Vorzeigeprojekte Deutschlands werden, wenn es um Open Source und Datenschutz geht.
Ohha, bitte nicht.

wie die Kontaktermittlung per GPS oder Mobilfunk diskutiert.
Was so alles diskutiert wird... war doch schnell klar das das über bluetooth läuft. apple und google haben da echt schnell reagiert aber zumindest android hat das mehr so hingeworfen. Ich hoffe das das mal anständig gemacht wird.

es wird auf den etablierten dezentralen Standard mit Bluetooth LE zur Kontaktverfolgung von Apple und Google gesetzt
Das macht mir wenig sorgen, obwohl bluetooth ja nicht soo doll ist.

Zudem scheint es bisher kaum bis gar keine Meldungen zu (schwerwiegenden) Datenschutz- oder Sicherheitsproblemen zu geben.
Es grenzt tatsächlich an ein wunder das das doch so geklappt hat. aber es hatten ja nun auch viele ein auge drauf.

abgesehen von der unberechtigten Panik vor Überwachung der Anwender und Bundesbürger.
Warten wir mal ab. Noch ist der Hase nicht ausm Hut. Ich vertraue nach wie vor weder google noch apple.

Wäre schön, wenn wir da zumindest EU-weit noch Interoperabilität der unterschiedlichen Apps hinkriegen.
Wäre schön wenn das mal weltweit funktionieren würde.

weil beispielsweise italienische infizierte App-Nutzer natürlich auch nur dort im Gesundheitswesen als infiziert erfasst und dann an die nationalen Server gemeldet werden.
Ja das wurde bisher verdrängt. die server müssen auch untereinander vernetzt werden. aber warten wir mal ab, ich denke das da noch lernerfolge zu erwarten sind.
 
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dominik

Mitglied
„Corona-Warn-App“. Sie heißt wirklich so! Der Titel ist ähnlich sexy wie „gesetze-im-internet.de“ – das muss die offizielle Behörden-App sein. Also, Google-Passwort rauskramen, im Web-Store anmelden, installieren. Zwei Fehlermeldungen später läuft das Ding dann. Eine User Experience wie ein Behördengang.
Solche belanglosen Seitenhiebe mindern aus meiner Sicht die Qualifikation des Autors, unabhängig vom Rest des Artikels. Wo er aber Recht hat, ist, dass eine saubere Compliance bei diesem Budget eigentlich gegeben sein sollte.
 
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